Beitrag von Tobias Finger im Darmstädter Echo über Prellball

An längst vergangene Zeiten mag mancher denken, wenn es um Prellball geht. Ein Fehler, sagt Echonaut Tobias Finger. Das Bild von 1954 zeigt die Anfänge des Sports in Groß-Gerau auf dem alten TV-Sportplatz an der Gernsheimer Straße. Archivfoto: Privat

Schnelligkeit, Geschick und eine gute Technik sind die wichtigsten Eigenschaften eines Prellball-Spielers. Doch von denen gibt es immer weniger. Dabei verdient die Sportart viel mehr Aufmerksamkeit und war einst ähnlich bekannt wie Fußball oder Leichtathletik. Echonaut Tobias Finger stellt seinen Sport vor.

Wenn jemand seinen Freunden erzählt, dass er Prellball spielt, bekommt er meist nur einen fragenden Blick oder ein „Was ist denn das?“ zurück. Gelegentlich mischt sich auch ein „Das haben wir doch früher immer in der Schule gespielt!“ dazwischen. Doch die Unterschiede zwischen dem weitverbreiteten Schulspiel Brennball und Prellball könnten kaum größer sein. Ganz im Gegensatz zum Baseball-ähnlichen Brennball zählt der Prellball zu den sogenannten Netz-Rückschlagspielen wie etwa Volleyball und Tennis. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass zwei Mannschaften auf einem Spielfeld das Ziel verfolgen, den Ball so über das Netz zu befördern, dass es dem jeweils anderen Team möglichst schwer fällt, ihn zurück zu spielen. Das Feld ist beim Prellball acht mal 16 Meter groß, das Netz ist in 40 Zentimeter Höhe angebracht, und die Mannschaften setzen sich im Normalfall aus vier Spielern auf dem Feld und zwei zusätzlichen Auswechselspielern zusammen. Ein Spielzug sollte idealerweise aus drei Ballberührungen bestehen, die jeweils von unterschiedlichen Spielern einer Mannschaft ausgeführt werden müssen. Sie werden Annahme, Vorlage und Angriff genannt. Nach dem Angriff sollte der Ball sich im gegnerischen Feld befinden.

 

Prellen heißt: Runter mit dem Ball!

Kommen wir nun zur namengebenden Aktion des Sports, dem Prellen. Es bezeichnet das Abwärtsschlagen des Balls mit der geschlossenen Faust oder dem Unterarm. Hierdurch wird eine weitere Eigenart des Sports klar: Nach jeder Ballberührung muss der Ball auf dem Boden aufkommen. Begeht eine Mannschaft einen Fehler, wird dieser dem gegnerischen Team als Punkt gutgeschrieben und das Spiel mit der Angabe vonseiten des Teams, das den Fehler begangen hat, fortgesetzt. Es zählen jedoch auch technische Fehler, wie etwa ein unsauberes Treffen des Balls. Gewinner ist die Mannschaft, die nach Ablauf der zwei mal zehn Minuten dauernden Spielzeit mehr Punkte auf ihrem Konto gesammelt hat. Die Wurzeln des Prellballs finden sich im Turnen, wo die Sportler das Spiel als Aufwärmübung erfanden. Erste Dokumentierungen stammen aus der Zeit um das Jahr 1925. In Folge dessen ist die Sportart auch immer noch im Deutschen Turnerbund angesiedelt. Nach stetig zunehmender Popularität wurde Prellball 1956 zum ersten Mal beim Deutschen Turnfest in München angeboten. 1967 entstand die Bundesliga der Männer. Auch international wurde Prellball bekannt, wo ihm mit länderübergreifenden Wettkämpfen Rechnung getragen wurde.

Doch der Bekanntheitsgrad von Prellball hat insbesondere in den letzten Jahren drastisch abgenommen. So fehlt vor allem der Nachwuchs für die Jugendmannschaften, was man gerade am Beispiel Hessens sehr deutlich erkennt: 2012 trat nur eine einzige hessische Mannschaft bei den Deutschen Jugendmeisterschaften an. Dabei gibt es im Landkreis Darmstadt-Dieburg gleich drei Vereine, die Prellball im Jugendbereich anbieten: der Prellballverein Gundernhausen, die SKG Ober-Ramstadt und der TV Zeilhard. Alle drei Vereine haben große Erfolge in der jüngeren Vergangenheit vorzuweisen, aber auch sie können kaum Neuzugänge verzeichnen. Natürlich leidet nicht nur der Prellball unter dieser Nachwuchsflaute der letzten Jahre. Jedoch ist sie in den sogenannten Randsportarten, unter die leider auch dieser Sport fällt, umso verheerender, da sie Stück für Stück aus der weit gefächerten Auswahl für Kinder herausfallen. Die Begeisterung der Sportanfänger, die im frühen Kindesalter geweckt werden muss und in den letzten Jahren dramatisch sinkt, ist umso schwerer wiederzubeleben, wenn sich die Auswahl auf die großen und bekannten Sportarten wie Fußball, Basketball und Tennis beschränkt. Kann man den jungen Leuten eine größere und breiter aufgestellte Sportlandschaft bieten, fällt es ihnen auch leichter, von sich aus ein Interesse am Sport zu entwickeln – oder das von den Eltern mitzubekommen. Dann würde man in Zukunft auch andere Reaktionen auf die Erwähnung seines Sportes in Gesprächen hervorrufen.

24.08.2012, Tobias Finger

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